17.06.2006 Artikelansicht
Ausschnitt Zeitungsausschnitt
Drucken Drucken

 

Zwei Frauen
spielen hier
Katz und Maus

Charlotte Rampling im Krimidrama

ARD, Sonntag, 23.15 Uhr: Spannung am späten Abend: Mit dem Krimidrama »Swimming Pool« von François Ozon startet die Reihe »Das neue französische Kino«.
In der Schreibkrise: Charlotte Rampling als Schriftstellerin Sarah Morton.Foto: ARD

Die Engländerin Sarah Morton (Charlotte Rampling) ist eine erfolgreiche Krimischriftstellerin, die bei jeder U-Bahn-Fahrt von begeisterten Fans angesprochen wird. Doch die disziplinierte Frau steckt mitten in einer Schaffenskrise und steht am Rande einer Depression. Ihr Londoner Verleger John Bosload (Charles Dance) überlässt seiner Starautorin daraufhin für den Sommer sein Ferienhaus in der Provence.
Kaum angekommen in der paradiesischen Umgebung, blüht die ältliche Sarah auf und macht sich eifrig Notizen für einen neuen Krimi. Doch die kreative Idylle wird jäh gestört durch des Verlegers Tochter Julie (Ludivine Sagnier), die überraschend hereinplatzt. Das sexy Girlie ist ein wahres Luder und in allem das Gegenteil der empfindlichen und zugeknöpften Britin: Tagsüber legt sie sich halb nackt an den Pool, und jede Nacht vergnügt sie sich lärmend mit wechselnden Liebhabern, die sie im nahen Dorf aufgegabelt hat. Sarah bekommt sofort Streit mit der provozierend rücksichtslosen und sinnlichen Julie, doch auch ihr professioneller Instinkt wird geweckt.
Sie findet Julies Tagebuch und nimmt es als Inspiration für ihren neuen Roman. Doch auch Julie wird neugierig und entdeckt, dass Sarah sich aus ihrem Tagebuch bedient. Während ihres Katz-und-Maus-Spiels verstehen sich die beiden Frauen allmählich immer besser: Julie erweist sich als zerbrechlich, Sarah als mütterlich. Als eines Tages der nette Kellner Franck (Jean-Marie Lamour) verschwindet, für den beide Frauen sich interessieren, und sich am Pool Blutspuren finden, ist Sarahs neuer Krimi beinahe fertig...
Der französische Regie-Virtuose François Ozon, der bereits in seiner hinreißenden Krimikomödie »8 Frauen« ein Händchen für Starschauspielerinnen bewiesen hat, drehte erneut ein amüsantes Krimidrama mit einem klitzekleinen Mord. In Anspielung an »La Piscine« (1969) mit Alain Delon und Romy Schneider entwickelt sich Ozons Film zum erotisch-doppelsinnigen Psychothriller über die Untiefen der weiblichen Seele. Und wie in Ozons Drama »Unter dem Sand« ist seine Heldin erneut die schillernde Charlotte Rampling - als Sarah, deren neurotische, gar schrullige Art verschüttete Begierden ahnen lässt. Ihr Gegenpart, Ludivine Sagnier, ist eine weitere Muse von Ozon und wurde als abgründige Mini-Bardot schlagartig zum Star.

Artikel vom 17.06.2006